ALEGRA – meine Traumfrau!

Ende Februar 2008: Thorsten und ich fahren nach Wedel, um uns einen PRE-Hengst anzuschauen – einfach nur so. Die Besitzerin erzählt, dass sie dich – Alegra, eine 3-jährige Lusitanostute – verkaufen will und wir dich doch auch mal anschauen könnten. Ich will nicht unhöflich sein und stimme zu. (Kaufen wollte ich kein Pferd, so viel war klar – schon gar keinen Lusitano!)

05. März 2008: Wie kann es anders sein? Wir beide sind füreinander bestimmt… Natürlich habe ich dich doch gekauft. Du bist ein Wirbelwind, voller Tatendrang und Power. Wenn du läufst, berührst du den Boden nur aus Gefälligkeit. Ich freue mich auf unsere gemeinsame Zukunft.

15. März 2008: Du erleidest nachmittags gegen 14.30 Uhr einen schrecklichen Unfall. Du springst (verschuldet durch die Nachlässigkeit einer Einstellerin) in ein Weidetor und spießt dich über 30 cm tief von der linken Brustseite bis in die linke Lunge auf. Vor meinen Augen spuckst du Blut und Lungengewebe aus. Du zitterst am ganzen Leib und bist innerhalb von zwei Minuten schweißgebadet. Ich bin sicher, dass du vor meinen Augen sterben wirst… Aber es kommt anders: Irgendwie bekommen wir dich auf den Anhänger und Thorsten fährt dich in die Klinik. Es gibt eigentlich keine Hoffnung auf Überleben, aber eben auch nur eigentlich… Meine Centered Riding Lehrerin ist hier und sagt: „Horch in dich rein, was sie sagt.“ Ich höre dich förmlich schreien: „JA, JA, JA!“ Es ist, als ob jemand in mein Ohr brüllt. Von da an habe ich eine Standleitung zu dir. Du fängst an, mit mir zu reden. Ich bin verwirrt, war ich doch immer der Ansicht, dass es bestimmt Menschen mit solchen Antennen gibt, aber, dass ICH mit Sicherheit NICHT dazu gehöre…

Ich wälze mich die ganze Nacht im Bett herum und leide mit dir. Ich schwitze unglaublich und verliere in dieser Nacht ein Kilogramm.

16. März 2008: Besuch bei dir in der Klinik. Du bist erstaunlich fit. Ich rufe alle Lieben an, damit sie für dich beten.

17. März 2008: Die Tierärzte haben dir einen Schlauch gelegt, damit sie die Wunde spülen können. Du gibst entsetzliche Geräusche von dir, weil du durch den Schlauch Luft holst, deine Lunge ist offen. Du bist aber fit und frisst gut. (Auf dem Foto ist der grüne Schlauch vorn links in deiner Brust zu sehen.)

18. März 2008: Ich rufe aus der Schule an, weil ich weiß, dass du Fieber 

bekommen hast. So ist es auch. Die Klinik bestätigt das.

19. März 2008: Ich weiß, dass dein Fieber runter ist. Auch dies bestätigt die Klinik 

nach einem Anruf. Ich freue mich und bete weiter für dich.

20. März 2008: Ich fahre allein zu dir, nehme eine Massagebürste mit und kraule dein vom Unfall verschwitztes Fell. Es tut dir gut. Ich lese dir vor: „Das Gymnasium des Pferdes“. Nach einer Stunde stupst du mich wiederholt an, es ist dir zu viel, ich gehe, weil ich das verstanden habe.

21. März 2008: Sie entfernen dir den Schlauch. Mein Gefühl sagt, dass das gut ist. Nun kann die Heilung beginnen. Erst später trifft mich die Wahrheit wie ein Schlag: Spülen war nicht möglich, weil die Wunde nach schräg unten geht und somit alles in den Hohlraum gespült würde. Wenn die Wunde sich vorn verschließt und hinten im Innern entzündet, ist das dein sicheres Todesurteil…

23. März 2008: Kein Besuch bei dir. Sonntagabend habe ich keine Verbindung zu dir. Du antwortest mir nicht. Ich weiß, dass es dir sehr schlecht geht. Am nächsten Morgen erzählt mir der Tierarzt, dass du 39,8° Fieber hattest, nicht gefressen und nur in der Ecke gestanden hast. Von jetzt an hält sich das Fieber hartnäckig! Die Wunde beginnt zu eitern… Ich habe Angst um dich…

24. März 2008: Es ist bitterkalt und glatt. Der Schaden in deiner Lunge ist nicht auszumachen, da du so mit Luft voll bist, dass nichts zu sehen ist. Es geht dir entsetzlich schlecht. Ich besuche dich allein und bleibe 1,5 Stunden bei dir bis eine Besserung eintritt. Du zitterst am ganzen Leib wie Espenlaub. Ich besorge zwei warme Decken für dich. Du hast Fieber und frisst schlecht…Ich weine fast die ganze Rückfahrt…

25. März 2008: Es ist kalt und sehr glatt. Ich besuche dich und bleibe wieder 1,5 Stunden bei dir. Du wirst behandelt und schlägst nach der Tierärztin aus, weil du die Spritzen satt hast. Ich kann dich verstehen und spreche dir Mut zu.

In dieser Nacht weckst du mich und ich liege drei Stunden hellwach im Bett. Ich verhandele mit dir. Die Verbindung ist schlecht und reißt immer wieder ab. Ich weiß, dass du sehr hohes Fieber hast. Du willst aufgeben. Ich bitte dich durchzuhalten. Ich bete ohne Unterlass für dich. Zum Ende der Nacht versprichst du, dass du wieder bereit bist zu kämpfen. Von heute an geht es nur noch bergauf!

26. März 2008: Anruf in der Klinik. Der Tierarzt sagt, dass sie in der Nacht überlegt hatten, dich einzuschläfern, weil es dir so schlecht ging… Morgens haben sie dir einen dünnen Schlauch gelegt, damit die Wunde von hinten heilen kann. Die Wunde ist immer noch 25-30 cm tief… Du hast weiterhin 39,9° – 39,4° Fieber. Es sieht schlecht aus, aber ich vertraue auf dich – du hast es mir versprochen! Ein Freundin hat dich besucht und hinterher angerufen. Es geht dir besser. Du hast keinen Schüttelfrost mehr!

27. März 2008: Besuch bei dir, du siehst viel besser aus, du frisst gut und lässt alles zu: bürsten, streicheln, etwas zu fressen geben. Ich habe viel Hoffnung! Du willst mit nach Hause…

28. März 2008: Dein Fieber ist runter, nur noch erhöhte Temperatur!

29. März 2008: Du siehst gut aus, nur deine Wunde muss noch heilen. Deine Temperatur ist immer knapp über 38°. Du frisst alle Wurzeln und willst mit.

31. März 2008: Wir besuchen dich am Abend. Du bist dünn, deine Augen sind klar. Du willst nach Hause, aber ich kann dich nicht mitnehmen… Die Infektionsgefahr ist zu groß. Es gibt neue Hiobsbotschaften: Deine Halsvenen sind total kaputt… Irreparabel!!! Den Rest deines Lebens wirst du ein „dickes Gesicht“ haben, da der Rückfluss des Blutes durch die kaputten Venen gestört ist. Ich will es nicht wahrhaben! Ich bete auch für deine Venen. Morgen rufe ich einen Homöopathen an!

Heute Abend kriege ich einen totalen Kollaps. Ich heule im Bett den ganzen Abend. Ich bin wütend, traurig, enttäuscht… Ob deine Wunde nicht heilt, weil es bei mir nicht heilt??? Mein seelischer Schmerz ist unglaublich groß… Bis auf den heutigen Tag hat die Einstellerin, durch deren Verschulden der ganze Unfall passiert ist, nicht mal um Verzeihung gebeten.

01. April 2008: Der Homöopath steckte in einer OP. Ich fahre morgens ohne Medikamente zu dir, getrieben von großer innerer Unruhe… Warum weiß ich, als ich dich sehe. Du zitterst wieder und hast 39,8° Fieber. Morgens hattest du nur erhöhte Temperatur (38,5°). Ich decke dich ein und fahre besorgt nach Hause. Die Tierärztin ruft an und sagt, dass sie dir fiebersenkende Mittel gegeben hat und sich keinen Reim auf das Fieber machen kann. Ich auch nicht… Warum hast du das??

03. April 2008: Ich besuche dich nachmittags. Du frisst gut, in deiner Box liegt seit über zwei Wochen endlich mal kein Futter und auch deine Futterkrippe ist leer – kein Krümel liegt darin. Dein Fieber ist weg (37,7°)! Morgen wird das Equipalazone zum zweiten Mal abgesetzt. Hoffentlich geht es dieses Mal gut! Du solltest bald nach Hause kommen. Wir vermissen dich!

06. April 2008: Thorsten und ich besuchen dich. Du bist richtig gut drauf! Du scharrst in der Box, verlangst nach Wurzeln, flitzt mit mir über den Hof – ganz die alte… Wann du wohl endlich nach Hause kommst? Ich sage den Tierärzten, dass du ab heute kein Antibiotikum mehr brauchst und auch keine Schmerzmittel. Du willst gesund werden!

07. April 2008: Anruf von der Klinik: Du darfst in zwei bis drei Tagen nach Hause – völlig überraschend! Ich blühe auf und werde endlich selbst gesund.

08. April 2008: Wir richten dein neues Zuhause her: Zwei Boxen als Doppelbox in der Halle.

10. April 2008: Der Sekt ist kalt gestellt, wir fahren los (16.15 Uhr). Um 19.03 Uhr: JUHU – endlich bist du wieder zu Hause!!!!!!! Wir pflegen dich schon gesund – auch wenn du im Moment noch schlecht aussiehst!!! Es gibt eben doch WUNDER!

 

 

 

 

 

 

 

Alle Friesen erwarten dich sehnsüchtig – und du sie! Du darfst allerdings noch nicht zu ihnen. Noch ist die Wunde zu tief. Du musst in die Box. Unser gemeinsamer Weg geht weiter und ich bin gespannt darauf! Noch ahne ich nicht, welches Urteil dich sieben Wochen später erwartet.  

28. September 2008: Ein wunderbarer Tag. Du trägst mich das erste Mal auf deinem Rücken. Es ist mein neuer LIEBLINGSPLATZ – und er ist für die nächsten fünfeinhalb Jahre!

Von jetzt an reite ich dich ab und zu. Es „rumpelt“ dabei ständig. Du hast große Probleme, gleichmäßig zu laufen. Wenn ich im Trab umsitze, reite ich zwei verschiedene Pferde. Du kannst es nicht lahmfrei halten, wenn ich auf deinem linken Bein niedersitze. Wir müssen üben!

5./6. Dezember 2008: Pharida (unsere Friesenstute) hat eine schlimme Kolik. Seit Freitag um 11.00 Uhr leidet sie. Ich frage dich, wann es endlich eine Entscheidung gibt. Du antwortest mir, dass es zwischen 17.00 Uhr und 18.00 Uhr eine Entscheidung gibt. Ich will es genauer wissen und du antwortest: 17.30 Uhr. Als der Tierarzt Pharida um 17.30 Uhr einschläfert, weiß ich, dass du es schon vorher wusstest.

Sommer 2009: Deine Bewegungen werden immer „runder“. Wer von deinem Unfall nicht weiß, kann NICHTS mehr davon sehen. JUHU! Von dir habe ich wie von keinem anderen gelernt, dass es Dinge zwischen Himmel und Erde gibt, die man nicht erklären kann… und, dass es Wunder gibt!

07. August 2009: Ich möchte dich morgens reiten. Du sagst, dass ich das bitte ohne Sattel tun möge, da es mit Sattel nicht ginge. Ich überhöre dich und sattele dich trotzdem. Schließlich wollen wir Mitte August auf einen Lehrgang. Es geht gar nicht! Mehrfach ziehst du mir die Zügel aus der Hand und lässt dich gar nicht los. Ich sattele dich ab und frage noch mal nach was los ist. Du antwortest, dass du die Osteopathin brauchst, weil etwas nicht in Ordnung ist. Ich rufe sie am nächsten Morgen an. Sie kommt Montag. Ich schäme mich mal wieder…

10. August 2009: Die Osteopathin war heute Abend da. Du hattest „Becken“. Irgendwie bist du in ein Loch getreten oder vielleicht blöd aufgestanden… Es ist wieder alles in Ordnung. Ich bitte dich nochmals um Verzeihung…

21. August 2009: Ich gucke seit einigen Tagen im Internet nach einem zweiten Pferd und habe Fabula entdeckt. Morgens in der Halle erzähle ich einer Einstellerin davon. Du sprichst KEIN Wort mehr mit mir und ich bin etwas verwirrt, was wohl los ist…, dass du g a r n i c h t sprichst. Auch beim Reiten bist du „teilnahmslos“. Erst als du wieder auf der Koppel bist, verstehe ich, dass du dir Sorgen gemacht hast. Meinst du im Ernst, dass mir ein zweites Pferd noch mal so viel bedeuten könnte wie du? Eifersüchtige Liese! (P.S. Ich habe den Gedanken wieder verworfen und werde dich zum Decken schicken – einverstanden?)

30. August 2009: Ich habe mit den Kindern über meine Pläne gesprochen. Rahel Lea hat sofort ein Bild in der Halle mit Kreide gemalt – du mit Fohlen im Bauch… Im Laufe des Herbstes gucke ich mir mehrere Hengste für dich an. Keiner gefällt mir – bis auf einen (Xik), aber der ist verkauft und deckt nicht mehr.

Ende November 2009: steht Xik wieder zum Verkauf. Ich zögere keine Sekunde. DER ist es! Hier beginnt unsere gemeinsame Geschichte: Du, Xik und ich.

Im Frühjahr 2010: habe ich das erste Mal das Gefühl, dass du gesund aussiehst. Dein Fell glänzt, du hast an Gewicht zugelegt und lahmst schon lange nicht mehr.

JA, ich lasse dich von Xik decken. Am 13. Mai 2010 bist du rossig und ich stelle dich zu Xik auf die Koppel. Ihr beide seid sehr süß zusammen! Obwohl du auf diesem Bild schon längst nicht mehr rossig bist, kuscheln Xik und du trotzdem. Ihr verbringt den ganzen Sommer und Herbst zusammen.

 

 

22. Mai 2010: Auf dem ersten Foto bitte ich dich, dich hinzulegen. Ich habe es im vergangenen Jahr mit der Beinlonge probiert. DEUTLICH gabst du mir zu verstehen, dass du das nicht willst. Ich habe also mal wieder gelernt, dass es auch 

andere Wege geben muss. Und siehe da: Es gibt andere Wege! Zuerst habe ich dich einfach immer, wenn du dich sowieso gerade zum Wälzen hinlegen wolltest, tüchtig gelobt. Schnell hast du verstanden, dass ich mich freue, wenn du dich neben mir hinlegst.

23. Mai 2010: Heute entstand dieses schöne Bild von Xik und dir. Ich habe euch durch den Torbogen hinter dem Apfelbaum fotografiert.

Im Laufe des Sommers 2010 holt uns dein Unfall plötzlich wieder ein. Du bekommst einen Zungenfehler. Die Narben an deiner linken Brust- und Schultermuskulatur sind groß. Der (durch die fortschreitende Ausbildung) vermehrte Vortritt des linken Vorbeines sorgt dafür, dass deine Zunge auf der linken Hand ab und an aus dem Maul „quillt“. Das ist besonders der Fall im Schulterherein links gebogen auf dem Zirkel und im Linksgalopp, wenn das linke Vorderbein die gesamte Last allein trägt. (Die Zungenmuskulatur ist eben mit der Muskulatur der Vorhand verbunden.) Ich bin verzweifelt und total fertig davon. Ich will es einfach nicht wahrhaben, alles schien gut zu sein. Nun werde ich damit leben müssen, dass meinem Pferd ab und an die Zunge aus dem Maul quillt. Bisher war ich immer der Ansicht, dass Zungenfehler Handfehler sind. Nun lerne ich, dass es Unfälle bzw. Narben gibt, die so etwas auslösen können.

Seit dem 10. Oktober „fliegen“ wir durch unsere neue Reithalle. Ihr lauft beide wunderbar darin!

Dezember 2010: Das Wälzen über den Rücken wird mühsamer. Du hast ordentlich an Gewicht zugelegt – hihi! Noch behindert uns dein Nachwuchs beim Reiten nicht…

10. Januar 2011: Heute hat Jona Elia dich an der Longe geritten. Du hast ihn wunderschön in den drei Gängen getragen. Galoppieren fällt dir allerdings zunehmend schwerer… Gestern hatten wir sehr schöne Wechsel zwischen Travers und Schulterherein und umgekehrt. Darüber habe ich mich SEHR gefreut!

Februar 2011: Ich galoppiere dich nicht mehr, sondern arbeite ausschließlich im Schritt und Trab mit dir.

Ende März 2011: Unsere Trainingseinheiten werden kürzer und „schrittlastiger“. Wir arbeiten trotz deiner „Kugel“ an den Seitengängen. Du bist erstaunlich elegant dabei.

Anfang April 2011: Wir machen kleine Spazierritte im Schritt als Schwangerschaftsgymnastik. Beim Laufen siehst du lustig aus, da du hinten ganz breitbeinig gehst. Du kannst mit der Hinterhand einfach schlecht an deinem dicken Euter vorbei treten… Das Wälzen über den Rücken ist kein Problem für dich – Respekt!

Jona Elia macht auch ab und zu ein wenig Schwangerschaftsgymnastik mit dir.

06. April 2011: Du hast Harztropfen an den Zitzen… und bist seit gestern unglaublich garstig zu Xik. Jetzt wird es richtig spannend…

10. April 2011: Heute Nacht hast du ganz allein die kleine Gayana auf die Welt gebracht, während Xik und ich in der Lüneburger Heide auf einem Lehrgang waren. Du bist wohlauf und ich bin überglücklich!!! Danke, Alegra!

12. April 2011: Heute gehen wir für einige Minuten in die Halle. Gayana kommt natürlich mit!

Anfang Oktober 2011: Du wirst mir zu dünn. Ich setze deswegen Gayana nach und nach ab.

06. Oktober 2011: Annika war heute wieder bei uns. Ich durfte dich unter ihrer Anleitung das erste Mal mit Kandare reiten. Das war für mich sicherlich aufregender als für dich… Nun müssen wir beiden üben! Ich werde eine eigene Kandare für dich anfertigen (in der Sattlerei meiner Schwester) – soviel steht fest.

04. Dezember 2011: Endlich – nach sieben langen und für uns beide sehr harten Wochen – darf ich dich wieder reiten! Du hattest im Oktober einen blöden Unfall, bei dem du auf dem Plaster ausgerutscht bist und dir dein Becken in eine äußerst ungünstige Position verdreht hast. Täglich konnte ich deinem „Muskelschwund“ zusehen. Nun heißt es trainieren, damit wir an den Stand im Oktober so bald wie möglich wieder anknüpfen können. Deine Kandare wartet nämlich auf ihren Einsatz.

Mitte Januar 2012: Deine Zunge macht uns mal wieder zu schaffen, da ich mit der Kandare bei dir eine höhere Position anweisen kann. Du motzt mit mir, weil du das noch nicht schaffst.

Anfang März 2012: Du läufst phantastisch! Der Linksgalopp fühlt sich endlich nach Linksgalopp an, weil deine linke Schulter richtig gut vorkommt – vier Jahre nach deinem Unfall…

03. Juli 2012: Vor einiger Zeit sprach ich mit dir darüber, dass ich mich freuen würde, wenn du mir auf der Koppel mal entgegen kämst. Du sagtest dazu, dass dir das unwichtig sei, da Nähe nicht von „Körpern“ sondern von „Herzen“ abhängig sei – insofern sei es „Menschendenken“ von mir, wenn ich meinte, dass das Nähe oder Zuneigung darstelle. Puh, schon wieder so ein philosophischer Ansatz von dir… (Seit unsere Tochter im Himmel zu Hause ist, weiß ich genau, was du damit meinst.) Heute nun wollte ich dich von der Koppel holen. Nichts ahnend stehe ich am Weidetor. Du sagst: „Warte, ich gehe noch kurz etwas Trinken, dann komme ich, weil ich dir was Wichtiges sagen muss.“ Ich warte also – und tatsächlich, du kommst zu mir! Deine Worte sind: „Mein Auftrag ist erfüllt. Ich habe dich zu dir selbst geführt.“ Ich bitte dich, das ein wenig näher zu erläutern. Du antwortest, dass ich erstens durch dich die Tierkommunikation gefunden habe, zweitens das Reiten, das mir gefällt, und drittens der Wunsch nach Osteopathie/Physiotherapie entstanden ist, da du diesen Unfall samt „Zungenfolgen“ hattest. Ich muss an dieser Stelle dazu schreiben, dass ich mich am Wochenende dafür entschieden habe, das Studium zum Pferdefachtherapeuten (Osteopathie/Physiotherapie für Pferde) bei Equo Vadis zu machen. Heute Morgen – bevor ich zu dir ging – habe ich alle Vorbereitungen dafür getroffen…

16. Dezember 2012: Heute warst du das erste Mal auf dem Podest! Ich bin darüber unglaublich glücklich, da wir schon oft darüber gesprochen und es gemeinsam probiert hatten. Nie hat es ganz geklappt, weil du immer mit den Hinterbeinen gleichzeitig draufgesprungen bist. Das ging meistens schief, zumal du dann immer vorn runtergefallen bist. Oft hattest du nicht die Ruhe dafür, sondern wurdest richtig „fahrig“. Mit viel Wurzeln und der Hilfe von Rahel Lea und Jona Elia ging es heute wie von Geisterhand! Auch der spanische Schritt war heute mit dem linken Vorderbein SEHR viel ausdrucksvoller als sonst. Ein toller Tag!

17. März 2013: Gestern hatten wir beide Unterricht. Deswegen haben wir heute nur einen kleinen Winterspaziergang gemacht. Rahel hat dich mit Fellsattel geritten. Das war herrlich – wenngleich wir doch alle sehr auf den Frühling warten – in Anbetracht des Datums umso mehr!

Anfang Mai 2013: Ich habe für uns einen neuen Sattel gekauft. Ich hätte nie gedacht, dass ein anderer Sattel derart durchschlagenden Erfolg auf die Qualität deiner Gänge haben könnte – zumal wir vorher mit einem D1 von Prestige unterwegs waren… Der neue Sattel lässt dir viel mehr Platz in der Kammer (oben) und vorn an der Schulter.

21. Juli 2013: Annika war heute da. Sie hat sich den Handgalopp, Außengalopp, Schulterhereingalopp, Traversgalopp und Renversgalopp angeschaut. Alles muss sicher sein bevor wir an die fliegenden Wechsel denken können. Danach war Rückwärtsrichten und daraus antraben dran. Wer hätte gedacht, dass sich daraus die ersten diagonalen Tritte ergaben! Hah, wenn wir davon mehr haben, mache ich ein Bild und schicke es an die Pferdeklinik! Die werden sich wundern!

20. Januar 2014: Seit meiner Reitstunde Mitte September (siehe Fotos „Reiten“ mit Kostüm) saß ich heute das erste Mal wieder auf deinem Rücken. Rahels Erkrankung hat mich für vier Monate in den Süden verschlagen. Nun setzen wir die Therapie zu Hause fort und hoffen, dass Rahel ganz bald – auch aus schulmedizinischer Sicht – wieder gesund ist. Danke, dass du dich so angestrengt hast – auch wenn deutlich zu merken war, dass wir beide Trainingsrückstand haben…

20. Februar 2014: Wir hatten einen schönen Ausritt mit Rahel und Avatar als Begleitung.

April 2014: Thorsten und ich haben Geldsorgen. Die Behandlung von Rahel ist sehr teuer. Ich bespreche mit dir, dass sich unsere Wege trennen müssen, damit wir weiterhin die Medikamente für Rahel bezahlen können. Du möchtest uns gern helfen, da auch ich dich einst gerettet habe. Jetzt bist du bereit, es für uns zu tun. Danke!

Ostermontag, 21. April 2014: Du ziehst in dein neues Zuhause. Zurück bleibt Xiks und deine wundervolle Tochter Gayana. Es ist das erste Mal seit 1987, dass ich kein eigenes Reitpferd habe, denn die Lütte ist ja erst drei Jahre alt…

Ich danke dir von ganzem Herzen für alles, was du in den letzten sechs Jahren für mich getan hast. Bleib glücklich!