Xik – du bist die größte Pferde-Herausforderung meines Lebens!

 

Hättest du nicht diesen phantastischen Charakter, hätte ich aufgegeben…

Anfang März 2009: Ich finde im Internet eine Verkaufsanzeige mit Bild von dir. Daneben steht: VERKAUFT. Ich kann es nicht fassen, weil ich der festen Überzeugung bin, dass du doch eigentlich MEIN Pferd werden solltest. Im Laufe des Sommers klicke ich immer wieder auf die Anzeige…

Ende November 2009: Ich finde im Internet eine neue Anzeige von dir. Du stehst wieder zum Verkauf! JUHU! Ich rufe deine Besitzerin an und erzähle ihr, dass ich eigentlich schon weiß, dass du für mich bestimmt bist. Sie bremst meinen Enthusiasmus ein wenig, denn du bist „nicht ganz einfach“, um nicht zu sagen fast unreitbar… Ich muss dich trotzdem endlich kennen lernen!

05. Dezember 2009: Ich fahre mit dem ICE nach München, um dich endlich live zu sehen. Es ist uns allen sofort klar, dass wir beide in Zukunft ein Team sein werden. (Damals ahne ich nicht, WIE stark du mich fordern wirst – vor allem psychisch. Mit dir lerne ich ganz neu WIE eng überschwängliche Freude und totale Verzweiflung beieinander liegen können. Auch reiterlich werde ich all meine Erfahrung brauchen.)

Kurz vor Weihnachten kommst du im Transporter bei heftigem Schneetreiben hier an. Dich zu führen ist fast nicht möglich. Zum ersten Mal bekomme ich ein Gefühl dafür, was mich erwartet… Doch das ist nur die Spitze des Eisberges…

Ich bestelle den Pferdezahnarzt Klaus für dich und bitte unsere Physiotherapeutin Jana, dich durchzuchecken. Beide Diagnosen sind eindeutig. Du hast nicht nur sehr viele schmerzhafte Haken an den Zähnen, sondern bist auf deiner linken Seite TOTAL verspannt. Ich bin mir sicher, dass auch das ein Grund dafür ist, dass du nicht bereit bist, mir deine Hufe zu geben. Über Wochen massiere ich dich und mache Übungen für die Beweglichkeit deiner linken Schulter. Außerdem unternehmen wir viele Spaziergänge.

Mitte Januar beginne ich mit Longieren an einem Kappzaum, da du ein „Unfallwagen“ bist und große Angst vor der Reiterhand hast. Auftrensen ist kaum möglich. Du reißt an der Anbindekette wie ein Wahnsinniger und schlägst mit dem Kopf. Es dauert mitunter bis zu 15 Minuten. Mir gelingt es jedoch, dich mit Apfelmus auf dem Gebiss davon zu überzeugen, dass man es zumindest mal ablecken könnte… Es dauert viele Tage bis du sofort vertrauensvoll in die Trense tauchst, wenn ich sie dir hinhalte. Nachdem das geschafft ist, beginne ich langsam mit der Arbeit an der Hand, um dir Vertrauen zu meiner (Reiter-)Hand zu geben.

 

Deine Idee ist immer, dich sofort einzurollen mit falschem Knick im Hals, sobald du Zügelkontakt verspürst. Es kostet uns beide einige Mühe, deine Nase VOR die Senkrechte zu bekommen. Du gibst dir viel Mühe, dennoch kann ich deine große Angst oft spüren. Immer wieder hast du den Drang, Probleme durch Steigen zu lösen. Damit musst du aufhören. Das ist gefährlich!!! Zum Beispiel kannst du deine linke Seite blitzartig fest machen und nach rechts abbiegen. Wenn ich dich daran hindern will, steigst du einfach… Auch Anhalten ist unmöglich. Du steigst sofort. Du bleibst nur dann mit den Füßen auf dem Boden, wenn jemand vor dir steht und dir Sicherheit gibt. Es muss also immer jemand – natürlich ist es Thorsten – in der Halle sein, wenn ich dich reite. (Danke für deine liebe Hilfe – und das jeden Tag!!!)

Anfang Februar haben wir beide Erfolg (bei – 10° in der Halle). Hier ist die Nase im Schritt VOR der Senkrechten!!! Du suchst ganz sanft den Kontakt zu mir. Ich könnte heulen. Ob du doch noch ein Reitpferd werden willst?

Im Trab haben wir noch große Probleme. Du bewegst dein Maul hektisch und willst dich immer wieder einrollen. Ich helfe dir mit der Methode von Philippe Karl „Aktion-Reaktion“, damit du den Genickwinkel wieder öffnest und in die Dehnungshaltung suchst.

 

Du stellst dich in der Freiarbeit geXIKt an. Hier stehst du das zweite Mal auf dem Podest (09. Februar 2010). Zwei Tage später stehst du sicher allein mit allen Vieren auf dem Podest. Durch dein vieles Steigen hast du ein enorm gutes Gleichgewicht… Wenn du lernen würdest, das sinnvoll einzusetzen… (Heimlich träume ich von wundervollen Piaffen mit dir. Leider sind sie noch nicht einmal am Horizont zu erkennen. Nach wie vor bist du knapp reitbar!)

Seit Anfang März versuche ich dich draußen auf dem Platz zu reiten. Die Rückschläge sind hart. Es ist fast unmöglich für dich, dich im Trab mit mir oben drauf zu bewegen. Du schlägst mit dem Kopf und bist (wieder) kaum reitbar. Mehrfach bringst du uns beide in Gefahr. Auch Stehenbleiben ist wieder ein sehr großes Problem. Ein versuchter Ausritt misslingt völlig. Du läufst „auf zwei Beinen“ nach Hause. Ich springe (gefühlt unter Lebensgefahr) ab. Ich bin verzweifelt und traurig.

OHNE mich kannst du dich wundervoll bewegen. Ob du es eines Tages MIT mir schaffst?

17. März 2010: Die lange Durststrecke ist heute für wenige Augenblicke zu Ende, weil du endlich im Trab für eine Zirkelrunde deinen Kopf ruhig hältst. JUHU! Wenn ich eins im Laufe der Zeit von dir gelernt habe, dann bescheiden zu werden und mich an Kleinigkeiten zu freuen, die für dich gar nicht so klein sind, sondern viel Bereitschaft und Überwindung erfordern… Dass du immer wieder versuchst, Dinge für mich zu tun, ist großartig!

27. März 2010: Heute waren wir in Heide zur Körung, weil du vom Pferdestammbuch noch anerkannt werden musstest, damit deine Fohlen Papiere bekommen. Du bist demnach auch in Schleswig-Holstein gekört und hast mich SEHR positiv überrascht! Dein Verhalten auf der Körung war vorbildlich. Besser kann man es sich von einem Hengst nicht wünschen. Dein Charakter – insbesondere deine Gelassenheit – begeistert mich immer wieder.

Ende März: Endlich stehst du auch auf dem Außenreitplatz mit entspanntem Rücken unter mir still. Nicht immer, aber immer öfter…

02. April 2010: Wir sind heute das erste Mal galoppiert. Du hast es prima bewältigt. Zwar warst du noch verspannt und ich habe seit langer Zeit mal wieder Schlauchgeräusche von dir gehört, aber du hast es probiert. Morgen versuchen wir es wieder.

22. April 2010: Seit drei Tagen wohnst du mit dem Haflinger Nippon auf einer Koppel. Endlich hast du einen Wallach an deiner Seite. Das tut dir zwar in Bezug auf dein Gewicht nicht gut, weil du vom Rennen und Spielen so stark abgenommen hast, aber für deine Seele ist es Balsam.

Auch das Galoppieren geht schon besser. Immer öfter landen wir im richtigen Handgalopp. Du wirst doch noch ein Reitpferd!

28. April 2010: Heute haben wir mit Nippon und seiner Besitzerin unseren zweiten Ausritt gemacht. Das war richtig schön! Ich durfte dich sogar ab und an mal anhalten ohne, dass du die Idee von Steigen hattest. Das war noch im März undenkbar.

Heute Abend habt ihr beiden Fellkraulen auf der Weide gemacht. Seit WIE VIELEN Jahren du das wohl nicht mehr mit einem Kumpel getan hast?

10. Mai 2010: Ich habe am letzten Wochenende einen SEHR schönen Kurs auf Föhr gehabt. Du hattest deswegen drei Tage Pause. Leider warst du (deswegen?) heute kaum reitbar… Schon beim Aufsitzen springst du vom Tor weg, bist beim Reiten nicht anzuhalten, steigst wieder und schlägst mit dem Kopf. Warum nur?

 

13. Mai 2010: Alegra ist rossig und ich stelle sie zu dir auf die Koppel. Ihr beide seid sehr süß zusammen! Obwohl Alegra auf diesem Bild schon längst nicht mehr rossig ist, kuschelt ihr trotzdem. Ihr verbringt den ganzen Sommer und Herbst zusammen. (Im Winter läufst du mit dem kleinen Lord zusammen.)

18. Mai 2010: Ich kann nicht mehr und bin drauf und dran aufzugeben. Seit Tagen steigst du wieder so oft, schlägst mit dem Kopf oder zappelst rum. An Galopp ist nicht zu denken. Du klemmst den Kopf zwischen die Vorderbeine und hoppelst mehr, als dass du galoppierst. Ich führe ein SEHR ernstes Gespräch mit dir und überlege laut, was ich mir dir tun soll: dich kastrieren, dich verkaufen oder gleich beides, weil ich nervlich am Ende bin. Du bist ein elendiger Energiesauger! Und ich habe keine mehr für dich… Ich bin enttäuscht, wütend, traurig, dass ich es einfach nicht schaffe… Wir haben eine echte Krise! Viele Freunde sprechen mir Mut zu, aber ICH KANN NICHT MEHR!!! Woher kommt bloß deine unbändige Wut auf Menschen???

21. Mai 2010: Heute ist der dritte Tag in Folge, an dem du richtig reitbar bist. Ich kann mein Glück kaum fassen. Zwar steigst du immer noch zu Beginn jeder Einheit wiederholt, aber danach geht es. Ich kann dich im Schritt, Trab und Galopp reiten! Offensichtlich hast du verstanden, WIE ernst unser Gespräch war. Ich schöpfe neue Kraft und freue mich auf morgen!

23. Mai 2010: Heute entstand dieses schöne Bild von euch beiden. Ich habe euch durch den Torbogen hinter dem Apfelbaum fotografiert.

24. Mai 2010: Heute kommt Lucia, eine Hannoveranerstute, die du beglücken sollst. Sie muss allerdings erst noch getupfert werden.

25. Mai 2010: Du hast das erste Mal die Entscheidung steigen zu wollen zurück genommen und bist am Boden geblieben. Steigen ist also keine automatische Reaktion mehr, sondern wird von dir überlegt – und für nicht gut befunden. Das ist ein Fortschritt!!!

05. Juni 2010: Wir haben unseren besten Tag seit deiner Ankunft!!! Du steigst nicht und schwingst wundervoll im Rücken. Ich möchte den Moment festhalten. Du fühlst dich großartig an! Ich höre keine Schlauchgeräusche beim oder nach dem Galoppieren. Vielleicht schaffen wir es doch, nein, bestimmt schaffen wir es!

 

Mitte Juni: Wir unternehmen mehrere Ausritte allein. Nur die Hunde und Thorsten (mit dem Fahrrad) begleiten uns. Alles klappt immer besser. Ich galoppiere dich das erste Mal im Gelände. Das ist kein Problem.

Anfang Juli 2010: Wir haben schöne Tage miteinander! Du hast aufgehört zu steigen. Das ist toll, weil wir endlich „richtig“ arbeiten können. Nach wie vor bereitet uns der Linksgalopp Probleme, weil du einfach deine linke Seite schlecht entspannen kannst. Wir arbeiten daran viel vom Boden aus und wagen uns an die Seitengänge unter dem Reiter.

07. Juli 2010: Weil die Fliegen dich ärgern, versuchte ich vorgestern ein Fliegennetz an deinem Kopf zu befestigen. Ob du wohl dachtest, dass man Pferde damit umbringen kann??? Jedenfalls drehst du wieder völlig „am Rad“! Es dauerte zwei Tage bis du mir vertrautest. Jetzt geht es ohne Halfter.

Wenige Tage später versuche ich, dir zusätzlich mit Fliegenspray Erleichterung zu verschaffen, weil die Viecher dich so belästigen. Du zitterst am ganzen Leib und hast solche Angst, dass du vor mir „in die Knie“ gehst. Am folgenden Tag kann ich dich nicht einfangen… Wir müssen die Sache noch mal in Ruhe besprechen…

24. Juli 2010: Es ist schon wirklich sehr lange nicht mehr vorgekommen, dass du gestiegen bist. Ich hoffe, es gerät immer mehr in Vergessenheit. Seit du gelernt hast im Seitwärts deine linke Seite besser zu entspannen, klappt auch der Linksgalopp viel sicherer. (Galoppieren lernt das Pferd eben oftmals nicht vom Galoppieren.)

Anfang August 2010: Wir unternehmen viele Ausritte – auch mit Stuten. Alles ist prima! Nun können wir allein oder in Gesellschaft ausreiten. Längeres Stehen ist zwar im Gelände immer noch eine Herausforderung. Aber für einen kurzen Moment klappt es ganz ohne zu zappeln.

6.-8. August 2010: Thorsten und ich fahren nach Mönchengladbach zum Lusitanofestival. Ich möchte mir anschauen, was von den Pferden erwartet wird, wenn sie zur Körung vorgestellt werden. Dort treffe ich Sarah und Michaela (deine Vor-Vorbesitzer). Beide erzählen mir viel über dich. (Vielen, vielen Dank dafür!) Ob es uns in Zukunft helfen wird?

28. August 2010: Es ist ruhig um dich geworden. Du findest immer mehr dein inneres Gleichgewicht. Das Schulterherein rechts gebogen versetzt dich nicht mehr in Panik. Du kannst deine linke Seite immer besser und immer länger entspannen. Ich bin glücklich. Sobald die Halle fertig ist, werden wir fliegen lernen…

04. Oktober 2010: Heute ist die Bande in der Reithalle fertig geworden. Es ist bald Zeit für uns zum Fliegen!!! Dank der vielen Bauarbeiten hattest du drei Wochen Pause. Ich bin gespannt wie du dich am Sonntag anfühlst. Dann reite ich dich das erste Mal wieder. Ich freue mich schon riesig darauf!

 

05. Oktober 2010: Du hast einen neuen Kumpel auf der Koppel. Wir haben den kleinen Lord von der Hengstkoppel wieder nach Hause geholt. Er hat sich dort nicht wohl gefühlt. Mit dir versteht er sich prima. Ihr schlaft in der Box nebeneinander. Du lernst einfach, jede deiner Chancen zu nutzen. Auf der Nachbarkoppel steht Alegra. Sie wird schon richtig rund. Ich lasse euch immer noch mal wieder zusammen laufen. Dir gefällt das, aber sie zickt dich manchmal an – typisch Frau?

Am Anbinder gibt es keine Auseinandersetzungen zwischen euch. Ihr wisst eben beide, was sich gehört!

Seit dem 10. Oktober „fliegen“ wir. Du läufst in der neuen Halle wunderbar. Endlich lässt du zu, dass ich dich in Traversstellung angaloppiere. Deswegen gelingt auch der Linksgalopp. Die Seitengänge sind viel flüssiger geworden. Du hast keine „Aussetzer“ mehr – seit Anfang Juli!!! Wer hätte das im Dezember gedacht? Ja, ich hatte geträumt, dich eines Tages reiten zu können. Aber so schnell? Du bist in nur zehn Monaten ein völlig anderes Pferd geworden!

 

12. November 2010: Nachdem mich neulich jemand (der dich von früher kennt) gefragt hat, ob ich dich überhaupt reite, folgen hier „Beweisfotos“ – sogar im Linksgalopp! Ja, ich reite dich – und WIE gern!!! Endlich kann ich mit dir einfach nur glücklich sein.

20. Dezember 2010: Vor fast genau einem Jahr (22.12.2009) bist du hier eingezogen. Viel habe ich in unserem ersten gemeinsamen Jahr von dir gelernt. Dafür bin ich dir sehr dankbar – zumal du mich jetzt jeden Tag sehr reich beschenkst. Die Durststrecken sind vorbei. Im Frühjahr hatte ich mir gewünscht, dass du eines Tages so mit mir traben kannst, wie du es ohne mich kannst. Heute hast du diesen Wunsch erfüllt. Schon beim Satteln hatte ich den Eindruck, dass deine Muskulatur am Hals sich stark verändert hat und du gewachsen bist. Beim Messen stellte sich heraus, dass du tatsächlich fast zwei volle Zentimeter größer geworden bist. Ich bin glücklich, zeugt es doch davon, dass mit Hilfe deiner verstärkten Rumpfmuskulatur der Widerrist angehoben wurde. Beim Reiten schwebten wir durch die Halle und du hast deine Schultern völlig frei bewegt! Es fühlte sich groß und wundervoll an!

10. Januar 2011: Als Rahel Lea dich heute von der Koppel geholt und dir die Hufe sauber gemacht hatte, guckte sie mich an und sagte: „Xik ist ein richtig gutes Pferd für Reitanfänger.“ Ich guckte etwas verständnislos und fragte:“ Was meinst du genau damit?“ Sie antwortete: „Anfänger haben ja manchmal noch Angst vor Pferden. Von Xik lernen alle, dass man vor einem Hengst gar keine Angst zu haben braucht. Er ist einfach immer und überall so brav.“ Ich konnte ein „Rundumgrinsen“ nicht unterdrücken – du wohl auch nicht!

Danach gingen wir in die Reithalle. Jona Elia hat dich dort mit Fellsattel geritten. (Rahel Lea ritt nebenbei Lisanne.) Du hast ihn wunderbar getragen! Ich hatte nicht einmal ein komisches Gefühl – obwohl eine Stute anwesend war. Es ist einfach unglaublich WIE stark du dich verändert hast und es immer noch tust. Du bist so was von liebenswert und rücksichtsvoll, dass ich immer wieder staune, wie ein Hengst sich so phantastisch und problemlos benehmen kann. Du hast so ein großes Herz und eine unglaubliche Freundlichkeit. Mittlerweile können auch die Kinder alles mit dir machen. Das war zu Beginn des letzten Jahres undenkbar… Ich bin so ein Glückskind, dass du bei mir bist!

16. Januar 2011: Im Februar habe ich einen Lehrgangsplatz in der Lüneburger Heide. Da Alegra schon „zu dick“ ist, muss ich ein anderes Pferd mitnehmen. Ich gebe natürlich DIR die Möglichkeit, die Fahrkarte zu bekommen. Dafür „teste“ ich dich in einer anderen Halle. (Das erste Mal in einer fremden Umgebung mit fremden Pferden und ich will dich reiten…) Ich lade dich also auf den Anhänger und kutschiere dich dorthin. Die Halle ist wesentlich kleiner als unsere und es sind bereits vier Pferde darin – drei Stuten und ein Wallach. Ich bin gespannt – aber worauf eigentlich? Ich erwarte ja, dass du ganz normal reitbar bist. Genauso ist es auch! Warum auch nicht? Wir haben deine schlimme Vergangenheit hinter uns gelassen. Sie soll uns nie wieder einholen. Dies ist der letzte „Test“. Du bist beim Satteln an der Hand total brav, wieherst nicht einmal und bist auch nicht zappelig. In der Halle kann ich sofort aufsitzen und du stehst still bis ich dich bitte, im Schritt loszugehen. Du bist nur sehr wenig angespannt. Schritt und Trab gelingen uns. (An Galopp ist angesichts der vielen anderen Pferde aus Platzgründen nicht zu denken.) Tja, was soll ich sagen? Die Fahrkarte hat einen würdigen Besitzer gefunden. Wir beide fahren gemeinsam dorthin! Ich freue mich, dass du soweit bist, dass ich dich mitnehmen kann.

23. Januar 2011: Vorgestern hat Rahel Lea dich das erste Mal allein im Schritt und im Trab in der Halle geritten. Heute haben wir Fotos davon gemacht. Ich habe nebenbei Alegra geritten. Es war wunderschön. Ich weiß nicht, wer von uns allen am meisten gestrahlt hat…

Im Februar und März fahren wir beide zu zwei Kursen in die Lüneburger Heide und nach Kaltenkirchen. Die ersten Minuten sind schwierig… Du steigst das erste Mal seit Monaten wieder zu Beginn der Stunde. Im Laufe des jeweiligen Kurses wird es viel besser! Wir fahren sehr bereichert nach Hause und üben in den kommenden Wochen fleißig.

Ende März 2011: Wir unternehmen einige Ausritte – gemeinsam mit Rahel Lea. Sie reitet Alegra oder Lisanne. Unterwegs habe ich Tränen in den Augen, weil du völlig gelassen (nicht nur im Körper, sondern vor allem im Kopf) in Dehnung den Ausritt genießt. Ich freue mich auf den Sommer mit dir!

03. April 2011: Heute haben wir wieder über unser „Kappzaumproblem“ gesprochen. Bis jetzt war es ja nicht möglich mit dir in Ruhe darüber zu sprechen. Wenn ich versucht habe mit dir daran zu arbeiten, hast du immer in die Longe gebissen oder hektisch den Kopf in die Luft gestreckt, so dass die Stirnlinie in der Waagerechten war. Heute gab es keinerlei Probleme. Wie verwandelt gingst du gelassen in Dehnung, schlugst nicht einmal mit dem Kopf oder wurdest hektisch. Erneut einer meiner Glückstage!!!

10. April 2011: Wir waren mal wieder in der Lüneburger Heide zum Lehrgang. Du bist in dieser Nacht Papa geworden! Als wir nach Hause kommen, bist du unglaublich aufgeregt! Da hält die beste Frisur nicht…

15. Mai 2011: Ein wundervoller Tag für uns alle. Ich habe Lucky in einer Verkaufsanzeige entdeckt. Wir kaufen ihn und er wird in wenigen Tagen dein allerbester Freund. Auch die Kinder verlieben sich sofort in den bezaubernden kleinen Kerl.

13. Juni 2011: Mit Rahel und Lucky genießen wir zu viert die Ausritte! Auch in der Halle reiten wir euch immer wieder gemeinsam. Lucky ist der einzige, der – wann immer er es möchte – einfach in deinen Po beißen darf. Ach, Xik – du bist einfach ein ganz „normales“ Pferd geworden…

03. August 2011: Ich reite dich fast jeden Tag. Du hast endlich wieder eine normale Figur bekommen. Zwischenzeitlich warst du viel zu dünn, weil auf der Nachbarkoppel ein Hengst mit seinen Stuten lief und du dauernd dorthin geschielt hast… Zeit zum Fressen blieb dir dabei wenig! Zwischenzeitlich waren wir auch schon wieder bei Nancy und du warst SUPI! Morgen werden wir mal wieder einen schönen Ausritt genießen. Ich habe dich einfach so gern dabei, weil du im Gegensatz zu Alegra so unerschrocken bist.

Anfang September 2011: Du siehst an zwei Stellen deiner Mähne aus wie ein „Schrubber“. Lucky und du machen so intensiv Fellkraulen. Du forderst es anscheinend mehr ein als deiner Mähne gut tut. Bei ihm ist es kein Problem, weil seine Mähne ja so dick ist. Egal, du bist glücklich und ich somit auch.

Ende September 2011: Xik hat sich entschieden, mich zu verlassen und weiterzuziehen. Er hat mich gebeten, einem Menschen helfen zu dürfen, so wie ich ihm „ins Leben zurück“ geholfen habe. Im Oktober 2011 war seine neue Besitzerin hier und hat ihn im Januar 2012 gekauft.

 

Danke, Xik, für alles, was ich von dir lernen durfte! Bleib glücklich!